Der Naturlehrpfad Luttchensberg und sein Begründer
Dieter Mudra |
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Der Naturlehrpfad Luttchensberg
ist in gewisser Hinsicht Mudras Lebenswerk und ein mental
bedeutsamer Ort für die Wiederaneignungsgeschichte der
regionalen Bergbaufolgelandschaft. Der Hügel ist eine
Kippe, die ursprünglich von der LAUBAG für die Ortschaft
Zinnitz angelegt worden war, die hier erst einen Sportplatz,
dann einen Rodelberg haben wollte und den Standort schließlich
doch nicht in Anspruch nahm, weil der Weg dorthin von der
Ortschaft aus für die Kinder durch die stark befahrene
Landstraße als zu gefährlich eingeschätzt
wurde. Auf wenigen Hektar hat Mudra hier innerhalb einer Kiefern-
und Robinienaufforstung seit 1997 einen Landschaftsgarten
geschaffen, der sowohl eine forstliche als auch eine lokale
und naturgeschichtliche Sicht auf die Landschaft bietet. Es
ist der zweite Standort des Naturlehrpfades, wegen Sanierungsarbeiten
der LMBV hatte Mudra in den Neunziger Jahren eine an anderer
Stelle bereits eingerichtete Fläche aufgeben müssen.
Der Name Luttchensberg geht in dieser Form auf Mudra selbst
zurück: einen solchen Berg gab es vor der Abbaggerung
an anderer Stelle. Die "Luttchen" sind Zwergen-
oder Koboldwesen der wendischen Sagenwelt. Mudra hat die Schreibweise
des Namens verändert und ihn auf diesen Hügel übertragen.
Der Hügel selbst ist überwiegend mit Robinien aufgeforstet
worden, um eine Bodenbindung und Stickstoffeinlagerung zu
gewährleisten. Nun wird mit edleren Laubholzarten (Winterlinde,
Eiche u.a.) versucht, die Artenvarietät zu verbessern,
gleichzeitig werden Robinien als Pfähle entnommen. Am
höchsten Punkt sind verschiedenste Baumarten gepflanzt:
jedes Jahr ein Baum des Jahres. Hier befinden sich auch Hütten
und Aussichtstürme, außerdem erläuterte Naturschutzelemente
wie Ameisenhaufenhauben, Steinhaufen für Eidechsen, Trockenmauern,
ein angelegter Teich und zahlreiche gut frequentierte Wildbienenquartiere. |
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Aussichtsturm auf dem Luttchensberg |
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Der an dem Naturlehrpfad angelegte Teich dient als
Vogeltränke, Löschteich, Feuchtbiotop und
Blickfang. |
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Im ganzen Gelände befinden sich forstpädagogische
Schaubilder und Erläuterungstafeln. An einer Stelle sind
Wildspuren in Beton gedrückt: Dachs, Marder, Elch, Fuchs,
Wildschwein, Reh, Rot- und Damhirsch sowie Marderhund, Waschbär
und Fischotter. Hinter der Hügelkuppe fällt das
Gelände wieder ab: hier ist es offen gehalten und als
Heide- und Findlingspark gestaltet worden. Dazu hat Mudra
autochtonen Wacholder angepflanzt, worauf er besonders stolz
ist, da dieser eine urwüchsige Form ausbildet und weitgehend
alle Pflanzen durch die Zugabe von Lehm in den Pflanzlöchern
angegangen sind. Außerdem hat er Heidekraut angesiedelt
und geht permanent gegen die Sukzession durch Robinien (Stockausschläge)
und Landreitgras vor. Mudra verweist stolz auf das hohe Arteninventar
in der Bergbaufolgelandschaft, speziell auch in seinem Naturlehrpark
und findet auch bald Eidechsen und eine kleine Kreuzkröte,
die dies illustrieren. |
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Die Eidechse lieben die Wärme am offenen Hang
des Luttchensberges. |
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Blick in den Findlingspark. Vom Stamm der "letzten
Eiche des Tagebaus" weisen Schilder in die überbaggerten
Ortschaften der Gegend. |
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In der Senke hat Mudra eine tote Eiche eingelassen. "Das
war die letzte große Eiche, die dem Bergbau gewichen
ist." An dem Baum hat er Schilder in alle Richtungen
angebracht. Sie verweisen auf die Ortschaften, die dem Bergbau
weichen mussten und geben die Entfernungen an. Als Reminiszenz
an sein vormaliges Revier, das etwas weiter südlich lag
und ebenfalls Tagebauflächen enthielt, hat er auch dortige
Ortschaften in die Weiser aufgenommen. Mudra macht sich auch
Gedanken über eine wirkungsvolle Präsentation der
dargestellten Inhalte. Sind die Schilder dauerhaft? Ist die
ins Holz gravierte Schrift gut lesbar oder sollte man sie
besser mit Farbe ausmalen? An den Ausgängen des Parks
hat er Schilder mit den alten Namen der angrenzenden Reviere
bzw. Gestelle angebracht, um an sie zu erinnern, z.B. die
"große Heide".
Der Findlingspark
ist von langer Hand und mit geologischem Sachverstand sowie
didaktischem Anspruch und einem Schuss Ironie angelegt worden.
Über viele Jahre hat Mudra Steine aus dem Tagebau gesammelt.
Auch die in Wanninchen zu bestaunenden Steine gehen auf ihn
zurück "Das ist meine Sammlung, steht bloß
nirgendwo zu lesen." Am Luttchensberg findet man sämtliche
Leitgeschiebe der Eiszeit: Mudra kann die einzelnen Findlinge
also nicht nur nach ihrer mineralischen Zusammensetzung bestimmen,
sondern auch nach ihrer Herkunft: "Der hier ist aus Småland
und der aus der Ostsee. Und der kommt aus Dalarna und der
aus Nordnorwegen." Viele der nördlichen Herkunftsregionen
hat er selbst gesehen. "Wir sind viel gereist, meine
Frau und ich." |
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Einer von vielen Windkantern, die man am Luttchensberg
findet. |
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Der erste Luttchensberg in den Schlabendorfer Feldern,
Anfang der Neunziger Jahre. Wegen Sanierung und Wasseranstieg
musste Mudra
samt seinen Findlingen an den neuen Standort bei Zinnitz
umziehen. |
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Einige sehr große Windkanter sind in dem Findlingspark
zu einer Gruppe zusammengestellt. Viele Steine sind an kleinen
Stellen poliert, damit man einen besseren Eindruck von ihrer
Farbe und Struktur bekommt. Für die Zukunft plant Mudra
eine Beschilderung der Steine. Zur Erläuterung der Leitgeschiebe
hat er eine ca. 3x4 m große Betonplatte angelegt, auf
der er eine Reliefkarte von Skandinavien und Deutschland geformt
hat, in die die jeweiligen Gesteine - je nach ihrer Herkunft
- eingelassen sind. "Ich hab ja immer Angst, dass Vandalismus
kommen könnte - da braucht nur jemand mal mit einer Spraydose
die Steine ansprühen, das krieg ich doch nicht wieder
ab. Aber bisher ist noch nie etwas gewesen." Viele Steine
haben von Mudra Namen bekommen: so z.B. der "Otto-Rind-Stein".
Otto Rind war ein in der Region bekannter und angesehener
Landschaftsgestalter, der den Mudraschen Luttchensberg noch
selbst besucht und einen der großen Findlinge mit 90
Jahren noch erklettert hatte.
Ausblick
Mudra fühlt sich noch vollauf für den Luttchensberg
zuständig und hält ihn in ständiger Pflege
und Beobachtung. Auch als Jäger ist er noch in der Bergbaufolgelandschaft
unterwegs. An vielen Arbeitskreisen und Treffen zu Themen
der Tagebaurestflächen nimmt er teil, um am Ball zu bleiben
und nicht "einzurosten". Mudra hat noch viel vor,
"hoffentlich sind mir noch 15-20 Jahre vergönnt".
Auf seine letzten fünfzehn Berufsjahre blickt er trotz
mancher Enttäuschungen der letzten Zeit sehr zufrieden
zurück. "Ich kann mich nicht beklagen. Ich war hier
mein eigener Herr."
Dieter Mudra hat viel Material über die BFL Schlabendorfer
Felder gesammelt, auch Vergleichsbilder aus unterschiedlichen
Zeiten gemacht. Er würde gern eine Chronik über
die hiesige Landschaftsgeschichte daraus zusammenstellen. |