Landschaftswerkstatt

Der Naturlehrpfad Luttchensberg und sein Begründer Dieter Mudra

Portal zum Naturlehrpfad Luttchensberg zwischen Schlabendorf und Zinnitz.

Wer von der Autobahn A13 kommend nach Schlabendorf fährt und kurz vor Zinnitz rechts abbiegt, stößt im Bereich des ehemaligen Tagebaues Schlabendorf Nord auf ein freundliches Portal an einem eingezäunten Waldstück, das sich auf einem Kippenhügel befindet. Hier geht es zum Naturlehrpfad Luttchensberg - einem Kleinod in der hiesigen Bergbaufolgelandschaft.
Man muss aufpassen, um die Stelle nicht zu übersehen, denn aus Sorge vor Vandalismus wird der Lehrpfad mehr als Geheimtipp behandelt - große Hinweisschilder werden einem bei der Suche nicht helfen.

Dieter Mudra, ehemaliger Revierförster von Groß Beuchow und Begründer des Naturlehrpfades Luttchensberg

Dieter Mudra, geboren 1938, war von 1984-2003 Leiter des Forstreviers Groß Beuchow. Dieses Revier umfasste über 3000 ha, wobei der Anteil an Bergbaufolgeflächen über die Jahrzehnte durch Aufforstungen ständig wuchs. Mudra stammt aus einer Bergarbeiterfamilie der Niederlausitz, hat also nicht nur eine forstliche Sicht auf die Bergbaufolgelandschaft sondern auch eine lokale und landschaftsgeschichtliche Verwurzelung. Daraus leitet er ein bestimmtes Selbstvertrauen und Urteilsvermögen ab. "Die Kippenflächen waren mein Spielplatz."

Der Naturlehrpfad Luttchensberg
ist in gewisser Hinsicht Mudras Lebenswerk und ein mental bedeutsamer Ort für die Wiederaneignungsgeschichte der regionalen Bergbaufolgelandschaft. Der Hügel ist eine Kippe, die ursprünglich von der LAUBAG für die Ortschaft Zinnitz angelegt worden war, die hier erst einen Sportplatz, dann einen Rodelberg haben wollte und den Standort schließlich doch nicht in Anspruch nahm, weil der Weg dorthin von der Ortschaft aus für die Kinder durch die stark befahrene Landstraße als zu gefährlich eingeschätzt wurde. Auf wenigen Hektar hat Mudra hier innerhalb einer Kiefern- und Robinienaufforstung seit 1997 einen Landschaftsgarten geschaffen, der sowohl eine forstliche als auch eine lokale und naturgeschichtliche Sicht auf die Landschaft bietet. Es ist der zweite Standort des Naturlehrpfades, wegen Sanierungsarbeiten der LMBV hatte Mudra in den Neunziger Jahren eine an anderer Stelle bereits eingerichtete Fläche aufgeben müssen.
Der Name Luttchensberg geht in dieser Form auf Mudra selbst zurück: einen solchen Berg gab es vor der Abbaggerung an anderer Stelle. Die "Luttchen" sind Zwergen- oder Koboldwesen der wendischen Sagenwelt. Mudra hat die Schreibweise des Namens verändert und ihn auf diesen Hügel übertragen.
Der Hügel selbst ist überwiegend mit Robinien aufgeforstet worden, um eine Bodenbindung und Stickstoffeinlagerung zu gewährleisten. Nun wird mit edleren Laubholzarten (Winterlinde, Eiche u.a.) versucht, die Artenvarietät zu verbessern, gleichzeitig werden Robinien als Pfähle entnommen. Am höchsten Punkt sind verschiedenste Baumarten gepflanzt: jedes Jahr ein Baum des Jahres. Hier befinden sich auch Hütten und Aussichtstürme, außerdem erläuterte Naturschutzelemente wie Ameisenhaufenhauben, Steinhaufen für Eidechsen, Trockenmauern, ein angelegter Teich und zahlreiche gut frequentierte Wildbienenquartiere.

 
   

Aussichtsturm auf dem Luttchensberg

 

Der an dem Naturlehrpfad angelegte Teich dient als Vogeltränke, Löschteich, Feuchtbiotop und Blickfang.

Im ganzen Gelände befinden sich forstpädagogische Schaubilder und Erläuterungstafeln. An einer Stelle sind Wildspuren in Beton gedrückt: Dachs, Marder, Elch, Fuchs, Wildschwein, Reh, Rot- und Damhirsch sowie Marderhund, Waschbär und Fischotter. Hinter der Hügelkuppe fällt das Gelände wieder ab: hier ist es offen gehalten und als Heide- und Findlingspark gestaltet worden. Dazu hat Mudra autochtonen Wacholder angepflanzt, worauf er besonders stolz ist, da dieser eine urwüchsige Form ausbildet und weitgehend alle Pflanzen durch die Zugabe von Lehm in den Pflanzlöchern angegangen sind. Außerdem hat er Heidekraut angesiedelt und geht permanent gegen die Sukzession durch Robinien (Stockausschläge) und Landreitgras vor. Mudra verweist stolz auf das hohe Arteninventar in der Bergbaufolgelandschaft, speziell auch in seinem Naturlehrpark und findet auch bald Eidechsen und eine kleine Kreuzkröte, die dies illustrieren.

 
   

Die Eidechse lieben die Wärme am offenen Hang des Luttchensberges.

 

Blick in den Findlingspark. Vom Stamm der "letzten Eiche des Tagebaus" weisen Schilder in die überbaggerten Ortschaften der Gegend.

In der Senke hat Mudra eine tote Eiche eingelassen. "Das war die letzte große Eiche, die dem Bergbau gewichen ist." An dem Baum hat er Schilder in alle Richtungen angebracht. Sie verweisen auf die Ortschaften, die dem Bergbau weichen mussten und geben die Entfernungen an. Als Reminiszenz an sein vormaliges Revier, das etwas weiter südlich lag und ebenfalls Tagebauflächen enthielt, hat er auch dortige Ortschaften in die Weiser aufgenommen. Mudra macht sich auch Gedanken über eine wirkungsvolle Präsentation der dargestellten Inhalte. Sind die Schilder dauerhaft? Ist die ins Holz gravierte Schrift gut lesbar oder sollte man sie besser mit Farbe ausmalen? An den Ausgängen des Parks hat er Schilder mit den alten Namen der angrenzenden Reviere bzw. Gestelle angebracht, um an sie zu erinnern, z.B. die "große Heide".

Der Findlingspark
ist von langer Hand und mit geologischem Sachverstand sowie didaktischem Anspruch und einem Schuss Ironie angelegt worden. Über viele Jahre hat Mudra Steine aus dem Tagebau gesammelt. Auch die in Wanninchen zu bestaunenden Steine gehen auf ihn zurück "Das ist meine Sammlung, steht bloß nirgendwo zu lesen." Am Luttchensberg findet man sämtliche Leitgeschiebe der Eiszeit: Mudra kann die einzelnen Findlinge also nicht nur nach ihrer mineralischen Zusammensetzung bestimmen, sondern auch nach ihrer Herkunft: "Der hier ist aus Småland und der aus der Ostsee. Und der kommt aus Dalarna und der aus Nordnorwegen." Viele der nördlichen Herkunftsregionen hat er selbst gesehen. "Wir sind viel gereist, meine Frau und ich."

 
   

Einer von vielen Windkantern, die man am Luttchensberg findet.

 

Der erste Luttchensberg in den Schlabendorfer Feldern, Anfang der Neunziger Jahre. Wegen Sanierung und Wasseranstieg musste Mudra samt seinen Findlingen an den neuen Standort bei Zinnitz umziehen.

Einige sehr große Windkanter sind in dem Findlingspark zu einer Gruppe zusammengestellt. Viele Steine sind an kleinen Stellen poliert, damit man einen besseren Eindruck von ihrer Farbe und Struktur bekommt. Für die Zukunft plant Mudra eine Beschilderung der Steine. Zur Erläuterung der Leitgeschiebe hat er eine ca. 3x4 m große Betonplatte angelegt, auf der er eine Reliefkarte von Skandinavien und Deutschland geformt hat, in die die jeweiligen Gesteine - je nach ihrer Herkunft - eingelassen sind. "Ich hab ja immer Angst, dass Vandalismus kommen könnte - da braucht nur jemand mal mit einer Spraydose die Steine ansprühen, das krieg ich doch nicht wieder ab. Aber bisher ist noch nie etwas gewesen." Viele Steine haben von Mudra Namen bekommen: so z.B. der "Otto-Rind-Stein". Otto Rind war ein in der Region bekannter und angesehener Landschaftsgestalter, der den Mudraschen Luttchensberg noch selbst besucht und einen der großen Findlinge mit 90 Jahren noch erklettert hatte.

Ausblick
Mudra fühlt sich noch vollauf für den Luttchensberg zuständig und hält ihn in ständiger Pflege und Beobachtung. Auch als Jäger ist er noch in der Bergbaufolgelandschaft unterwegs. An vielen Arbeitskreisen und Treffen zu Themen der Tagebaurestflächen nimmt er teil, um am Ball zu bleiben und nicht "einzurosten". Mudra hat noch viel vor, "hoffentlich sind mir noch 15-20 Jahre vergönnt". Auf seine letzten fünfzehn Berufsjahre blickt er trotz mancher Enttäuschungen der letzten Zeit sehr zufrieden zurück. "Ich kann mich nicht beklagen. Ich war hier mein eigener Herr."
Dieter Mudra hat viel Material über die BFL Schlabendorfer Felder gesammelt, auch Vergleichsbilder aus unterschiedlichen Zeiten gemacht. Er würde gern eine Chronik über die hiesige Landschaftsgeschichte daraus zusammenstellen.

 

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